Die 37 jährige Eleni ist amtierende Schweizer Meisterin in der Klasse Best Body Swim Suit bis 1,68m in der Swiss Natural Bodybuilding and Fitness Federation. Ich hatte das Vergnügen, sie zweimal vor der Kamera zu haben. Im Interview bei ihr daheim am Zürichsee sprechen wir über ihre Ernährung, das Training und die Akzeptanz ihrer Freunde und Kollegen. Der Artikel ist Teil meiner Interview-Serie mit Sportlern.

Abendessen bei der Schweizer Meisterin

Zusammen mit meiner Freundin Kristina bin ich bei Eleni und ihrem Mann Lakis zum Abendessen eingeladen. Wir sitzen in der Küche und plaudern bei einem Glas Wein, während sie das Essen zubereitet.

Eleni sieht nicht so aus, wie man sich eine Bodybuilderin vielleicht vorstellt. Schlank, fast schon zierlich sieht sie aus. In ihrem kurzärmligen T-Shirt sehe ich bewundernd, wie ihr Trizeps sich bewegt, während sie den Salat anrichtet. Für mich sieht sie einfach sehr fit aus, auf attraktive Art. Später erzählt sie mir, dass sie Kreuzheben mit 3 Sätzen zu 15 Wiederholungen mit 60kg macht. Das ist mehr, als sie wiegt.

Ernährung Bodybuilding - Fotograf in der Küche

Abendessen bei Eleni – gesund und lecker

Die beiden stammen ursprünglich aus Wuppertal, mit griechischen Wurzeln und leben seit 10 Jahren in der Schweiz. Im wirklichen Leben ist Eleni Projektleiterin in der IT einer grossen Versicherung. Lakis ist studierter Bauingenieur. Beide haben lange, stressige Arbeitstage. Dass sie dann für 10 Monate jeden Abend noch ins Training gefahren sind, bringt ihnen meinen vollsten Respekt.

Wie sie dazu gekommen ist, für die Schweizermeisterschaft zu trainieren, will ich wissen. Sie erzählt, dass sie über eine Freundin darauf gekommen ist, mit einer Trainerin zu arbeiten. Ihr Coach hat ihr dann einen strengen Trainingsplan und genaue Anweisungen für die Ernährung gegeben. „Ich wollte eigentlich gar nicht für den Wettkampf trainieren“, erklärt sie aber das war Voraussetzung für das Coaching.

Bodybuilderin mit Hantel

Bodybuilderin mit Hantel

Ihr Coach war auch schon bei mir zum Fotografieren, über sie ist Eleni zu mir gekommen. Ich kann mir gut vorstellen, wie die strenge Dame  ihre Schützlinge im Griff hat. Schliesslich hat Eleni sich überreden lassen, bei dem Wettkampf anzutreten. Lakis hingegen wollte einfach nur fitter werden. Er erzählt, dass er nicht bereit war, den Essensplan einzuhalten. „Du musst nicht essen, Du musst fressen!“, erzählt er von den ersten beiden Tagen. „Das war mir zu viel, ich wollte ja nicht so ein Riese werden.“ Aber er hat das ganze Programm mitgemacht, einschliesslich der Diät vor dem Wettkampf. Nur den extremen Muskelaufbau wollte er nicht machen.

Eleni weiss das Opfer von ihrem Mann zu schätzen: „Stell Dir mal vor, Lakis würde hier jeden Abend sitzen und Pizza essen. Dann hätte ich das nie geschafft.“ Lakis prostet ihr mit seinem Weinglas zu. Man merkt den beiden an, dass sie ein starkes Team sind. 20 Jahre sind sie schon ein Paar, aber von Beziehungsmüdigkeit keine Spur. Im Auto wird Kristina mir nachher sagen, dass sie hofft, dass wir in 20 Jahren auch noch so viel Spass an gemeinsamen Projekten haben werden.

 

Nicht jeder hat Verständnis für ehrgeizigen Sport

Im Freundeskreis hat nicht jeder Verständnis für die beiden gehabt, erklärt sie: „Da sind wirklich Freundschaften auseinander gegangen“, die beiden schauen sich kurz an. „Nicht jeder hat Verständnis dafür, dass man jetzt ein anderes Ziel hat und man sich fokussieren muss. Auf der Arbeit haben manche Kollegen Youtube Videos geschickt von Typen, die sich irgendwas in die Arme spritzen und dann gefragt ‚Aber sowas machst Du nicht, oder?’“ Sie sagt das mit ihrem Hauch von griechischen Akzent und man sieht Eleni an, dass sie das Verhalten nicht richtig nachvollziehen kann. Interessanterweise hat Lakis im Freundeskreis viel Bewunderung bekommen, „auch von Frauen“. Aber Eleni war mit Vorurteilen konfrontiert.

Kristina und ich haben auf der Fahrt nach Zürich über das Interview gesprochen und diesen Punkt schon diskutiert. Es fällt schwer, die attraktive, schlanke Eleni mit dem Vorurteil einer Wettkampf-Bodybuilderin in Einklang zu bringen. In unserer Gesellschaft scheint es „gut“ zu sein, wenn eine Frau Fitness macht, aber „schlecht“, wenn sie es Bodybuilding nennt.

Wir pausieren kurz, um mit dem Essen zu beginnen. Es gibt Reis und Poulet, dazu Rotwein aus Frankreich. Ganz normales Essen. „Das hat mich schon gestört“, erklärt Eleni, „ich koche sehr gerne und das konnte ich die letzten Monate vor dem Wettkampf nicht mehr. Es gab Reis und Kartoffeln ohne Fett“.

 

10 strenge Monate

Die beiden haben fünfmal die Woche am Abend trainiert. 60-90 Minuten Krafttraining, 45 Minuten Cardio und noch 30 Minuten Bauch. „Dann bist Du am Abend um 10 zu Hause und dann musst Du noch die Tupperdosen spülen und das Essen für den nächsten Tag parat machen. Das organisatorische darf man nicht unterschätzen. Und am nächsten Morgen um sechs müssen wir schon wieder aufstehen.”

Auch die vielen Mahlzeiten in der Arbeit zu koordinieren ist nicht immer einfach: „Wenn ich um neun ein Meeting hatte und die Mahlzeit nicht ganz geschafft habe, dann habe ich danach weiter gegessen. Es musste ja weg, weil um 12:30 schon die nächste Mahlzeit dran war.“, erzählt Lakis und Eleni nickt.

Auf der Ablage neben dem Kühlschrank steht ein Mixer, aber ich sehe kein Stapel Proteinpulverdosen. Darauf angesprochen zeigt Lakis mir lachend eine Schublade mit ein paar Dosen. Das sieht nicht anders aus, als bei mir in der Küche, nur dass bei mir Soja und Erbsen drauf steht. Überwiegend gab es aber feste Nahrung. Viel Reis und Kartoffeln. Alkohol war 10 Monate verboten.

Jetzt nach dem Wettkampf trainieren die beiden weiter, aber auf normalerem Niveau, dreimal die Woche. Lakis scherzt, dass er etwas frustriert war, dass ihm einige Hosen vom Sommer nicht mehr passen. 6kg hat er seit dem Wettkampf zugelegt. Man sieht ihm noch immer an, dass er sehr fit ist, aber sein Körperfett ist nicht mehr auf den Extremwerten vom Oktober.

Im Alltag ernähren sie sich gesund und weitgehend normal. Eleni ist für ein Jahr beruflich in Paris und die beiden möchten die französische Lebensart geniessen: „Jetzt trinken wir auch wieder Alkohol.“ Zum Dessert bekommen wir später angebratene Ananas mit Vanilleeis und Kokosraspeln vorgesetzt. So geschlemmt wird bei mir daheim nicht.

Fitness-Pärchen oder Bodybuilder?

Fitness-Pärchen oder Bodybuilder?

Ich lenke das Gespräch zum Thema Motivation: „Wie bist Du mit schlechten Tagen umgegangen? Wenn man 5 Tage die Woche zum Training muss, dann hat man doch an zwei Tagen keinen Bock?“

Die beiden schauen sich schmunzelnd an. „Wir haben darüber geschwiegen.“, erklärt er. „Wir haben das einfach nicht thematisiert. Wir waren beim Sport verabredet und weil keiner gesagt hat, dass er keine Lust hat, sind wir hin.“

Eleni wirft ein: „3 Wochen vor dem Wettkampf, da habe ich gemerkt, dass ich keine Lust mehr habe. Lakis war das wichtiger als mir, er hat mich dann motiviert durchzuhalten. Und ich hatte mir für 400 EUR einen Wettkampf Bikini gekauft. Den wollte ich nicht umsonst gekauft haben.“

Kann man Geld verdienen mit dem Titel?

„Nein, überhaupt nicht.“

Ernährung und Wettkampfvorbereitung

Ich lenke das Gespräch auf den Wettkampf und die letzten Tage davor. Im Wettkampf werden nicht nur ihre Muskeln bewertet, auch ihre weibliche Ausstrahlung. „Es kommt auch darauf an, wie ich mich bewege. Wir haben ganz oft nach dem Training noch vor dem Spiegel gestanden und Lakis hat mich gecoached.“ Beide schmunzeln bei der Erinnerung daran. Man merkt ihnen an, dass es für sie eine intensive, aber auch sehr schöne Erfahrung war.

Fitness Model beim Fotograf

Fitness Model beim Fotograf

Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie wichtig das Thema Wasser für die Definition ist: „Wie hast Du das mit dem Entwässern vor dem Wettkampf gemacht?“

„Der Wettkampf ist am Sonntag. Am Freitag habe ich mit dem Entwässern begonnen. Auf natürliche Weise, also ohne Tabletten oder so. Am Freitagvormittag habe ich 4 Liter Wasser getrunken. Viel Brennnesseltee. Und den restlichen Freitag nur noch einen halben Liter. Und am Samstag auch nur einen halben Liter. Der Körper fängt dann an so richtig zu entwässern. Und bis er realisiert, dass nichts mehr kommt ist er schon entwässert.“

„Und dann viele Carbs dazu?“

„Richtig. Ab Freitagmittag abwechselnd Reis und Kartoffeln, mit ein wenig extra Eiweiss. Samstag auch den ganzen Tag. Sonntagmorgen noch mal und um 11 war dann schon der Auftritt. Vor dem Auftritt durfte ich noch mal Schokolade essen. Das hat noch einen Schub gegeben.“

„Bist Du dann nicht total geschwächt gewesen?“

„Nein. Dadurch dass ich mich davor gesund ernährt habe konnte ich das gut wegstecken. Man stellt sich das so schlimm vor, ist es aber nicht.“

Lakis wirft ein: „Ich habe 5 Tage nur Fisch gegessen. Das stellt man sich viel schlimmer vor, als es ist.“ Er hat die ganze Diät bis zur letzten Minute mit seiner Frau mitgemacht, auch ohne am Wettkampf teilzunehmen.

Eine heikle Frage habe ich noch: „Was sagt Deine Mama zu Deinem Sport?“

„Meine Mutter war Feuer und Flamme. Aber mein Vater konnte da zunächst nichts mit anfangen.“ Sehr schön war, dass ihre Familie am Wettkampftag angereist ist und mitgefiebert hat. Lakis wirft ein, dass es sehr schwer gewesen sei, einen Tag vor dem Wettkampf Frühstück mit der Familie vorzubereiten. „Ich war dann beim Bäcker und habe Brot gekauft und der Tisch war voll mit Käse und Brot und Fleisch und wir durften nur unseren Reis essen. Ich habe dann am Brot gerochen und musste es wieder wegstellen. Das war schwierig.“

Keinen Artikel mehr verpassen?

Dann schreib Dich in den Newsletter ein!

Wie geht es weiter?

„Und? Dieses Jahr noch mal?“, stelle ich meine letzte Frage.

„Dieses Jahr arbeite ich in Paris und schaffe das nicht. Aber vielleicht nächstes Jahr.“ Wieder schauen sie sich schmunzelnd an. Ich lege eine Hand auf die von Kristina und drücke sie kurz. Ich bin sehr dankbar, dass sie meine Leidenschaft des Fotografierens so unterstützt, wie Lakis seine Frau beim Training.

 

Weitere Artikel

2017-05-20T13:59:21+00:00

6 Comments

  1. Ben 25. January 2017 at 20:54 - Reply

    Warum kommentiert hier denn niemand? 😳 Ein wirklich guter Artikel, Stephan. Man kann sich sehr gut vorstellen, was dieses Paar auf sich genommen hat, um dieses Gemeinsame, wenn auch final Ihr Ziel zu erreichen. Jeder der nur etwas ernsthafter einen Sport betreibt, weiß wie anstrengend schon ein normales Training sein kann. Ich finde es schön, wieviel Raum Du der Beziehung in diesem Artikel gibst, denn die Beziehung und das Miteinander war wohl erst der Motor, der dieses Ziel erst möglich gemacht hat. Toll, dass es in unserer so schnellen Welt, mit potenziellen neuen Partnern an jeder Ecke des Internets (was ich für einen Beziehungskiller halte), noch so glückliche Beziehungen gibt, die so lange halten und noch bis ans Ende fortbestehen mögen. Man merkt Deiner Art des Schreibens an, dass diese Person, dieses Projekt Dir wichtig ist und am Herzen liegt.Dein Stil gefällt mir und dazu gehört auch immer der Einwurf der ganz persönlichen Sicht und das Zwiegespräch zwischen Dir und Kristina, oder das Erwähnen kleiner Geesten. Du füllst Deine Berichte, Interviews, oder Tutorials mit Persönlichkeit. Das macht Dich aus und sehr sympathisch. Ich wünsche Dir weiterhin viel Spaß und Erfolg dabei und ich werde aufmerksam lesen und schauen, was Du / Ihr dieses Jahr so anstellt. Auf die nächsten 20 Jahre für Dich und Kristina 😉 Ohne meine Freundin wären meine Hobbys auch nicht so umzusetzen. Ich kann also Einiges aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Besten Gruß…

    • Stephan 26. January 2017 at 5:26 - Reply

      🙂 Danke für das Feedback Ben und auch eure nächsten 20 Jahre 🙂

    • Eleni 27. January 2017 at 0:50 - Reply

      Danke Ben! Sehr schön geschrieben 🙂
      Wünsche dir von Herzen alles Gute!

  2. Jess 30. January 2017 at 5:37 - Reply

    Ein kurzweiliger Artikel, ohne lästige Schachtelsätze und Füllwörter, die den Beitrag künstlich aufblähen. Der Kern der Story ist auf’s Wesentliche fokussiert ohne dabei wie “schnell hingefetzt” zu wirken – nach dem Motto: Hauptsache ein neuer Blog, um die Website zu füllen. Man liest die Leidenschaft für deine Berufung förmlich aus so ziemlich allem, was du niederschreibst, Stephan. Es ist deutlich wie bedacht du deine Worte wählst, die Sätze aufbaust, hier und da streichst und abänderst. Du möchtest sehr gute Arbeit abliefern. Und das tust du auch. Das spiegelt nicht nur deine Fotografie wieder. Auch deine Schriften und Vorträge schaffen das und es ist ein Fest, deine Zeilen zu lesen.
    Du hast einen schönen Abschluss für deinen Artikel gewählt. Ich kann mich an eines deiner früheren Videos erinnern, in dem du über deine Ausrüstung gesprochen hast. Darin hast du mit einem lachenden (und vielleicht mit einem weinenden) Auge scherzhaft erwähnt, wie froh du bist, dass du keine Frau hast, vor der du all die finanziellen Ausgaben für dein Hobby verstecken musst. Jetzt hast du eine Frau an deiner Seite und musst dennoch nichts verstecken. Das heißt, es ist die Richtige. Auch ich habe einen solchen Mann, den ich sogar oft dabei “ertappe” wie er im Netz auf die Suche geht, um mich bei meiner nicht ganz günstigen Foto-Leidenschaft zu unterstützen. So etwas ist von unschätzbarem Wert und ich wünsche dir und Kristina vor allem viel Zusammenhalt und Wertschätzung für hoffentlich mehr als die nächsten 20 Jahre. Mein Tipp und Wunsch für euch beide: verliert nie diese scheinbar kleinen Gesten wie, des anderen Hand zu halten. Sie binden. Auf Dauer.
    Toll, dass du solche Dinge in deine Artikel einbringst. Das hat Persönlichkeit.
    Zu deinem Model: Großen Respekt für dieses Maß an Disziplin und Ausdauer.
    Beste Grüße aus dem Vogtland

    • Stephan 30. January 2017 at 6:10 - Reply

      Merci für Dein nettes Feedback Jess 🙂 Euch beiden viel Spass beim Stöbern nach Fotozubehör 🙂

  3. Pascal von CrossFit Kader 19. April 2017 at 11:35 - Reply

    Ein wirklich sehr schöner Artikel! 🙂

    Am besten ist es aber immer noch, wenn man sein sportliches Hobby direkt zum Beruf macht – auch wenn der Weg natürlich schwer ist.

    Beste Grüße aus Essen

Leave A Comment