„Es ist so still hier, da kommt dir ein Bienchen vor wie ein Helikopter.“ Wie sitzen seit 6 Stunden alleine im Wald, rund 800m oberhalb vom Königssee in Berchtesgaden und schauen den Ameisen zu. Es ist Vollmond und als Fotograf habe ich mir in den Kopf gesetzt, den Königssee nicht nur bei Sonnenuntergang, sondern auch bei Nacht zu fotografieren. Also lassen wir die Seele baumeln und warten. „Schau mal die Ameise, die schleppt eine Raupe!“ #wonderwoman zeigt auf den Boden zwischen uns. „Das ist spannender als Tatort schauen!“ entgegne ich mit einem Lächeln und schliesse entspannt die Augen. Hier oben ist die Welt in Ordnung.

Unser Tagespensum liegt schon hinter uns. Die knapp 1000 Höhenmeter auf 9km vom Parkplatz über den Grünstein bis zur Archenkanzel haben wir am Vormittag in einem Rutsch gemacht. Der Wetterbericht hat bis zu 30 Grad versprochen und auch wenn wir überwiegend im Wald unterwegs sind: Es ist heiss!

Zu Zweit sind wir drei Tage lang auf der Königssee-Umrundung unterwegs. Es gibt diverse Varianten, wie man diesen zurecht sehr bekannten Fernwanderweg gehen kann. Je nach verfügbarer Zeit, Können und Kondition. Mit der Jennerbahn kann man einiges an Höhenmetern sparen und mit dem Boot einen Teil der Strecke bequem auf dem Wasser zurücklegen. Wir wählen die gemischte Variante: Zwei ausgesetzte Steige sind enthalten, aber auch eine kurze Bootsfahrt von St. Bartholomä zum Obersee. Die Jennerbahn lassen wir aus und bewältigen die Höhenmeter komplett mit Muskelkraft.

Sonnenuntergang Achenkanzel am Koenigssee

Sonnenuntergang Archenkanzel am Königssee mit Blick auf St. Bartholomä

 

Königssee bei Vollmond von der Achenkanzel

Königssee bei Vollmond von der Archenkanzel

 

Königssee Umrundung Tag 1: Grünstein, Kührointalm und Archenkanzel

Vom Parkplatz Hammerstiel (kostenpflichtig) wandern wir auf den sehr gut markierten Wegen zunächst zum Aussichtspunkt Grünstein. Der Blick reicht vom Watzmann über Berchtesgaden nach Österreich. Ein sehr lohnender Aussichtspunkt, der sicher auch zum Sonnenuntergang sehr schön ist. Wir haben aber noch ein paar Kilometer vor uns und so machen wir nur eine kurze Riegel-Pause und wandern weiter.

Berchtesgadener Land vom Gruenstein

Berchtesgadener Land vom Grünstein

Die Kührointalm ist ein idealer Zwischenhalt für die erste Nacht am Anreisetag. Man läuft noch ca. 20 Minuten zur Archenkanzel – dem vielleicht bekanntesten Aussichtspunkt am Königssee. Bei der Hitze schmeckt das Paulaner doppelt gut! Von der Hütte aus hat man einen sehr eindrücklichen Blick auf den Watzmann, den man am besten bei frischer Buttermilch mit Preiselbeeren geniesst!

Nur Cola gibt es nicht. Das sehe ich als Zeichen und beschliesse spontan auf Koffein-Entzug zu gehen. Zwei Tage komplett ohne, dann sind die Kopfschmerzen weg. Die nächsten Monate möchte ich mit einem Kaffee am Morgen auskommen. Kräutertee statt Energy Drink. Zähne und Nerven werden es mir danken!

Kührointalm am Königssee bei der Achenkanzel

Kührointalm am Königssee bei der Archenkanzel

 

 

Königssee Umrundung Tag 2: Abstieg von der Archenkanzel nach St. Bartholomä

Koenigssee-Umrundung-Fernwandern

Koenigssee-Umrundung-Fernwandern

Früh brechen wir am zweiten Tag auf. Die Archenkanzel bietet keinen wirklich schönen Sonnenaufgangsfoto-Spot, da der See so tief liegt, dass die Sonne erst nach über einer Stunde den See bescheint. Also beginnen wir den Abstieg, damit wir vor dem ersten Boot in St. Bartholomä sind. Der Rinnkendlsteig ist steil und erfordert absolute Trittsicherheit. Zwar sind die heiklen Passagen alle mit Drahtseilen gesichert, aber der Boden ist rutschig und am Morgen noch feucht. Für Familien mit Kindern ist diese Variante im Abstieg eher nicht empfehlenswert!

Nach knapp 2 Stunden sind wir am bekannten Kloster angekommen. Zwar noch vor dem ersten Boot – aber in dichtem Nebel. Wir verweilen nur kurz und wählen die Bootsfahrt zum Obersee. Aufgrund des Nebels hoffe ich, das bekannte Bootshaus am Obersee in schöner Morgenstimmung zu erwischen – auch wenn es nach neun ist, bis wir da sind. So schön der Königssee aktuell schon ist – im Spätherbst muss er noch mal deutlich fotogener sein!

St. Bartholomä am Königssee in dichtem Nebel

St. Bartholomä am Königssee in dichtem Nebel

Die Boote werden mit Elektromotoren angetrieben, dadurch ist es trotz regen Verkehrs sehr ruhig am See. Wer dennoch ein Motorboot sieht: Die Fischer, Bergbauern und Wasserwacht dürfen. Sie brauchen die Geschwindigkeit, um ihre Arbeit erledigen zu können.

Vom Obersee zur Wasseralm

“Das sind bestimmt Fotografen” sagt #wonderwoman und zeigt auf zwei junge Männer, die sich hektischen Schrittes vom Anleger am Obersee entfernen. Wir folgen ihnen in gelassenem Tempo zum bekannten Bootshaus. Mit dem ersten Boot kann man frühestens um 9 Uhr dort sein. Wirkliche Morgenstimmung hat man jetzt nicht mehr, die Sonne scheint bereits sehr stark in den See. Wer im Herbst kommt wird hier häufig mit Nebel rechnen können. So dicht dieser am Königssee war – am Obersee ist nichts mehr davon zu sehen.

Bootshaus-Obersee

Bootshaus am Obersee

Ab jetzt soll es brutal aufwärts gehen. Am Morgen ist der Röthsteig noch im Schatten und wir hoffen vor der grossen Tageshitze in die Höhe zu kommen. Am Ende vom Tal spricht uns dann aber ein kräftig gebauter Mann an: “Wo wollts ihr zwei denn hi?” Ausgerechnet heute sind Reparaturarbeiten am Röthsteig und er ist bis 13:00 gesperrt. “Dann machts doch a Brotzeit” rät er uns wohlgelaunt. Guter Tipp! Also suchen wir uns ein schattiges Plätzchen am Bach, abseits der Massen, die langsam das Tal erreichen. Wir rollen eine Isomatte aus schauen den Kühen beim Wiederkäuen zu. Die Seele baumeln lassen, Frieden und Stille geniessen. Es geht uns gut!

Kühe auf der Wiese am Obersee

Kühe auf der Wiese am Obersee

Mit deutscher Pünktlichkeit dürfen wir um 13:00 in den Röthsteig starten. 700 Höhenmeter fast senkrecht die Wand hoch – inzwischen in der prallen Sonne. Der Schweiss läuft uns in Strömen die Körper hinunter. Ausgerechnet heute ist der heisseste Tag des Jahres! Aber es lohnt sich. Der Blick zurück auf Obersee und Königssee ist atemberaubend! Der Steig ist fast komplett mit Stahlseilen gesichert. Das ist auch gut so, denn ein Ausrutschen darf man sich hier nicht erlauben. Wer nicht absolut trittsicher und schwindelfrei ist, sollte diese Variante nicht wählen und statt dessen über die Gotzenalm kommen.




Königssee-Obersee-Röthsteig

Königssee-Obersee-Röthsteig

Wasserfall-Obersee-Roethsteig

Am Wasserfall vom Obersee füllen wir die Wasserflaschen nach

Der weitere Weg zur Wasseralm verläuft im Urwald. Der Nationalpark ist zu einem grossen Teil mit urigem Wald bedeckt. Die Bäume fallen, wie sie fallen. Überall blühen Blumen und unser Weg bahnt sich durch Farne und Kräuter.

Wilder Wald im Nationalpark Berchtesgaden

Wilder Wald im Nationalpark Berchtesgaden

Wundklee in Berchtesgaden

Wundklee im Berchtesgadener Land

Wanderer am Koenigssee

Wanderer am Königssee

Im Wald sieht man sehr viel Sturmschäden und auch der Borkenkäfer ist bis vor zwei Jahren ein grosses Problem gewesen, wie uns ein freundlicher Waldarbeiter erzählt. Nur die Wege werden frei gehalten, ansonsten wird der Wald weitgehend sich selbst überlassen. Man kann sich hier gut vorstellen, wie es vor hundert Jahren ausgesehen hat.

 

Königssee Umrundung Tag 3: Wasseralm – Kärlingerhaus – St. Bartholomä

Eigentlich hätten wir noch die Teufelshörner besteigen wollen, aber es zieht schon wieder Gewitter auf und so machen wir heute “nur” den Abstieg. Immer noch 7 Stunden von der Wasseralm über das Kärlingerhaus und die Saugasse. Erster Zwischenhalt ist aber der Aussichtspunkt Halsköpfli. Senkrecht geht es 1000m runter zum Königssee. Der Blick reicht bis nach Österreich. Ein sehr lohnender Spot für den Sonnenaufgang!

Sonnenaufgang Königssee

Sonnenaufgang Königssee

Es lohnt sich auf der Umrundung wirklich, früh aufzustehen. Wer das Frühstück auf der Hütte auslässt und dafür schon vor Sonnenaufgang unterwegs ist, der bekommt nicht nur die schöneren Fotos – er ist auch die ersten Stunden des Tages komplett allein unterwegs. Insbesondere Gruppen und Familien starten scheinbar häufig erst um 8 – da denken wir schon ans Mittagessen!

Alpenblumen am Koenigssee

Alpenblumen am Königssee: Türkenbundlilie

DER Berg in Berchtesgaden ist der Watzmann. Seine markante Form prägt die Landschaft und auch auf unserer Wanderung sehen wir ihn immer wieder aus einer anderen Perspektive. Als höchster Berg der Region ist er allerdings auch ein Wolkenfänger und wenn die Spitze gerade mal rausschaut, dann muss man die Kamera zücken!

Watzmann

Watzmann

 

Kaerlingerhaus am Königssee

Kaerlingerhaus am Königssee

Radlermass, also ein Liter Brause-Bier, ist genau das richtige Getränk, um Zucker und Elektrolyte aufzutanken. Und um Mut zu sammeln, für den Abstieg durch die Saugasse zum See. Über 1000 Höhenmeter müssen wir heute insgesamt ablaufen, das geht auf die Knie. Dennoch klagen wir nicht, dass es an dieser Ecke keine Bahn gibt. Wer es bis hier geschafft hat, der hat es mit ehrlicher Muskelkraft erreicht.

Ein frühes Radlermaas am Kaerlingerhaus

Eine frühes Radlermass am Kaerlingerhaus

 

 

Fazit und nützliche Informationen

Wir haben die drei Tage der Ruhe sehr genossen. Der Nationalpark ist schön und still. Wer früh startet wandert stundenlang ohne einen Menschen zu sehen. Aktuell blühen die Alpenblumen in voller Farbpracht und man läuft in einer wunderbaren Duftwolke. Nachdem wir dieses Jahr keinen Frühling hatten, hat es gut getan, dass es endlich mal richtig warm war. Auch Tiere gibt es reichlich zu sehen: Neben Murmeltieren und Gämsen kann man mit viel Glück sogar einen Steinadler sehen.

Silhouette

Wem die 45km und 4000 Höhenmeter für die komplette Umrundung noch nicht reichen: Die Region Königssee-Berchtesgaden bietet genügend Wanderspass für einen mehrwöchigen Aufenthalt. Die Umrundung kann man in 3-4 Tagen machen, mit vielen Variations- und Verlängerunsmöglichkeiten. Insbesondere ein Abstecher ins Steinerne Meer soll sehr lohnend sein. Leider hatten wir im Jahr 2016 viel schlechtes Wetter und konnten unser geplantes Programm nicht komplett durchziehen. Da müssen wir also wohl noch mal kommen 🙂

Die Hütten entlang des Weges sind im Sommer meist ausgebucht. Es lohnt sich, frühzeitig zu buchen. Die Tour sollte Ende September am schönsten sein, wenn das Laub beginnt sich zu färben und weniger los ist. Aber selbst jetzt in der Hauptsaison sind die Wege recht einsam. Nur an den Hütten hat man wenig Ruhe, zumal auch viele Familien unterwegs sind.

Weiterführende Informationen gibt es hier:

Wir waren im sehr empfehlenswerten Hotel Hundsreitlehen in Bischofswiesen. Ruhig gelegen, sehr schöne, grosse Zimmer, reiches Frühstücksbuffet. Nicht günstig, aber sein Geld wert.

 

Literatur

“Als ich hier gewohnt habe, war mein Ziel alle 51 Touren des Buchs zu machen”, so preist #wonderwoman den Rother Wanderführer Berchtesgaden an.

Eine Kompass Wanderkarte sollte im Rucksack sein

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Kameras

Ich hatte dabei: Nikon D750 mit 70-200 und Tamron 15-30 F2.8. Dazu die Sony RX100 M3 (hier mein Testbericht)  und die Fujifilm X100T. Kenner werden den hier gezeigten Fotos die Kamera ansehen. Auf jeden Fall dabei haben sollte man ein gutes Weitwinkelobjektiv. Der Königssee ist gross!

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2017-05-19T06:22:03+00:00

4 Comments

  1. Sven 25. July 2016 at 22:27 - Reply

    Eine sehr schöne Beschreibung der Route und die Bilder sind ebenfalls klasse.

    Kurzes Feedback zur Seite. Das “Laufband” welches über dem leave a comment Bereich platziert ist, lässt den Bereich immer auf und ab rutschen (zumindest auf dem Tabletten und dem MBA). Liegt an dem einen Artikel, bei dem das Bild im Hochform gehalten ist. Das Design gefällt mir aber sehr gut.

  2. Simon 27. July 2016 at 12:12 - Reply

    Toller Bericht! Werde ich sicherlich auch einmal gehen!

    ps: auch an einem PC stört die Banderole ein bisschen. Vielleicht fest framen in “höhe” + “breite” …

  3. Stefan 27. July 2016 at 18:23 - Reply

    Wäre cool wenn du vllt auf einer Karte die Route nochmal zeigen könntest, ansonsten echt toll …*ausprobieren*

  4. Tina 4. September 2017 at 16:02 - Reply

    Ein wirklich schöner Bericht. Wir waren vor Kurzem in Bayern. Dort waren wir zwar in einem festen Hotel untergebracht, sind aber die Natur erkunden gegangen. Wir waren die ganzen Tage unterwegs, haben viel gesehen und erlebt. Es war wirklich schön.

    Grüße

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