“Sag mal wieviele Rucksäcke hast Du eigentlich?” fragt mich Frederic, als er den 5ten Rucksack aus dem Umzugswagen in meine neue Wohnung trägt. “Mehr als die meisten Frauen Handtaschen” scherze ich. Und in der Tat habe ich ein “Abenteuer-Zimmer”, gefüllt mit Helmen, Steigeisen, Seilen, Schlafsäcken und eben Rucksäcken. Warum ist es so schwer, den richtigen zu finden? Bei der Bundeswehr hatte ich doch auch nur einen primitiven, grünen Sack und da hat alles reingepasst!

 

Vom Wahn zum “immer leichter”

Mein Lieblingsverkäufer im lokalen Bergsportgeschäft sagt immer “Wenn der Rucksack zu schwer ist, bist Du zu schwach.” Früher wollte ich das nicht hören, aber er hat durchaus recht. Dazu muss ich sagen, dass er fast nen Kopf kleiner ist als ich, 10kg leichter – und schwerere Rucksäcke auf wildere Touren trägt. Oder eine andere Aussage von einem Profi-Kletterer, der von einem Sportartikel Hersteller die Ausrüstung gesponsert bekommt: “Das Material wird immer leichter, aber auch immer weniger robust. Expresse sind bei mir nach einer Saison durch.” Er braucht das Material, damit er in der Weltspitze mithalten kann. Für uns normalsterbliche ist aber das Gewicht IM Körper meist eher der Faktor, als das AM Körper – nur wollen wir das nicht zugeben, oder?

Ich kann mich da nicht ausnehmen. Wenn ich mit ernsthaften Kletterern auf Tour gehe, um sie zu fotografieren, dann bin ich meist der älteste und schwächste der Gruppe. Meine Spezialität ist das Fotografieren und nicht der Extremsport. Dann kann ich mir mit Geld quasi einen kleinen Vorteil erkaufen. Mit besserer Ausrüstung gleiche ich einen Teil meiner Schwäche aus. Vielleicht einfach ein Privileg meines Alters.

Manchmal ist das Gepäck etwas grösser

Wie finde ich den besten Rucksack?

Wander Rucksack von Deuter

Wander Rucksack von Deuter

Kommt es nicht auf jedes Gramm an, dann nehme ich robuste Rucksäcke, die ich meist schon seit zehn oder mehr Jahren habe. Wenn ich eine harte Tagestour auf dem Bike mache, verwende ich einen kleinen, leichten Deuter Bike Rucksack, den ich 2005 gekauft habe. Geht es 2 Nächte mit dem Bike, dann habe ich einen grösseren Bike Rucksack, den ich mir für meinen ersten Transalp 2005 gekauft habe. Beim Trailrunning habe ich eine Laufweste und wenn ich mit Zelt in die Berge gehe einen 50-70 Liter Rucksack. Zum Anfang der Saison ist es eine elende Schlepperei, im Herbst überhaupt kein Problem. Für mich die wichtigsten Faktoren (subjektiv):

  • Aussentaschen auf beiden Seiten (Stativ, Wanderstöcke, Trinkflasche)
  • Grosses Netz am Rücken für Kekse, Jacke, Karte, Durchlichtschirm oder was sonst grade griffbereit sein soll
  • Reissverschluss am Rücken für die Wintersaison, so dass ich den Rucksack in den Schnee legen kann und an die Kamera komme
  • abnehmbarer oder zumindest sehr kleiner Hüftgurt für den Kletterrucksack
  • Trinksysteme nutze ich in manchen Jahren bei jeder Tour, dieses Jahr nicht einmal
  • Orange oder Blaue Farbe ist von Vorteil
  • Gerne mit Signalpfeife!

Letzten Endes muss der Rucksack aber auch auf meinen Rücken passen. Je grösser, desto wichtiger ist das. Da wird jeder seine individuellen Vorlieben haben. Mir passen Deuter Rucksäcke meist ohne Anpassungen. Für Sternen-Fotografie-Touren mit Zelt für eine Nacht nehme ich gerne den Deuter ACT lite (Testbericht). Viele ernsthafte Berggänger schwören auf Rucksäcke “ohne Schnickschnack”, also möglichst ohne zusätzliche Fächer, Riemen oder Reissverschlüsse. Selbst bin ich ein Kramer und komme gerne leicht an mein Zeugs. Ich wähle daher gerne Rucksäcke mit vielen Taschen. Persönliche Präferenz.

Für die Entscheidungshilfe kann ein Rucksack-Berater wie SportCheck ihn anbietet helfen. Und natürlich liebe ich es, die Schlussverkaufsangebote von Sportgeschäften durchzuschauen.

 

Wandern im Schnee-Regen mit Goretex Jacke und Regenhülle auf dem Rucksack

Wandern im Schnee-Regen mit Goretex Jacke und Regenhülle auf dem Rucksack

Regenhülle oder wasserfest?

Inzwischen gibt es immer mehr Rucksäcke, die aus wasserfestem Material und mit abgedichteten Nähten kommen. Bei meinen älteren Rucksäcken habe ich das nicht. Hier ist mir eine eingebaute Regenhülle lieber, als eine die man dazu kaufen muss – einfach weil ich sie sonst gerne vergesse und häufig teure Kameraausrüstung im Rucksack habe.  Ich wähle da gerne eine leuchtende Farbe. Als Fahrradfahrer möchte ich bei schlechtem Wetter auffallen, das erhöht im Zweifel meine Sicherheit.

MTB Tour im Engadin, Schweiz

MTB Tour im Engadin, Schweiz

 

 

2017-05-19T06:22:03+00:00

One Comment

  1. Richard Puhl 17. December 2016 at 9:27 - Reply

    Ach ja, Rucksäcke… Eine Flasche Wein oder ein Sechserpack Bier auf den Tisch gestellt und man(n) könnte den ganzen Abend darüber philosophieren.. herrlich! Ich habe nun mittlerweile auch schon 4 Stück und ich weiß, wenn ich nächstes Jahr den 10 Tage Trekking Urlaub durch die polnische Tatra machen werde, kommt der 5. Rucksack wahrscheinlich dazu. Ich persönlich schwöre ebenfalls auf Deuter. Mein 1. Deuter 22L hab ich 2006 gekauft und er ist immer noch tip top. Er hat vieles durchgemacht, ob Schlamm, Schnee, Eis oder Regen, hat ihm nichts ausgemacht. Ab und zu mal abgebürstet und das war es. Die Reißverschlüsse laufen immer noch “wie am ersten Tag” und fühlen sich immer noch so hochwertig an wie ich es von einem Qualitätsrucksack erwarte. Bei meinem letzten Rucksack den ich gekauft habe ist mir zum 1. Mal etwas negativ aufgefallen bei Deuter, denn was auf den ersten Blick für mich sehr sehr nützlich aussah, 2 kleine Reißverschlusstaschen an den Hüftflossen zu haben, stellte sich im nachhinein als sehr unpraktisch dar. Die beiden Taschen sind breit genug aber nicht lang genug für z.B. ein Smartphone oder eine Kompaktkamera, das ist sehr sehr schade. Die kleine RX100 passt nur mit Quetscherei hinein und rauszunehmen ist sie nur unter übelstem Fluchen auf den “schlauen” Deuter Ingeniuer der sich das hat einfallen lassen. Beim Rucksack selbst schaue ich gar nicht auf Gewichtsangaben, ob er nun 500g mehr oder weniger wiegt ist mir egal. Er soll mir helfen schwere Lasten zu tragen und meine Ausrüstung optimal schützen, mir den größtmöglichen Komfort dabei bieten und genauso wie bei Wanderschuhen gibt es für mich da keine Kompromisse zu machen. Bei dem was ich dann in den Rucksack hinein packe versuche ich dann jedoch schon so wenig wie möglich und soviel wie nötig mitzunehmen, da ich gerne lange Wanderungen mache und ob ich nun 2kg mehr oder 2kg weniger 12 Stunden mit mir herum schleppe, spielt dann doch eine Rolle für mich. Jedoch würde ich lieber Gewicht sparen in dem ich etwas “unnötiges” zu Hause lasse, als mir alles in ultraleicht Ausführung zu kaufen, denn das heißt i.d.R. auch eben nicht so lange haltbar und nicht so stabil.

Leave A Comment